Zwei Jahre vor ihrem sechzigsten Geburtstag beschloss Ute Becker, noch einmal etwas völlig Neues auf die Beine zu stellen. Sie verkaufte ihr Unternehmen und gründete eine Stiftung. Über die Ute Becker Stiftung unterstützt sie nun junge Menschen in Afrika, um ihnen eine Chance auf Schule, Ausbildung und eine berufliche Zukunft zu geben.
Das Gespräch führte Friederike Kundrus.
Mit freundlicher Genehmigung von Haus des Stiftens.
Frau Becker, Sie haben Ihr Unternehmen verkauft, was machen Sie heute?
Ute Becker: Ich bin nach wie vor in der Bildungsbranche tätig, genauer im Qualitätsmanagement, und zwar als Beraterin für Bildungsdienstleister und Unternehmen. Als Leadauditorin arbeite ich für eine Fachkundige Stelle und auditiere Bildungsdienstleister mit den unterschiedlichsten Angeboten der beruflichen Qualifizierung, Berufsorientierung, Sprach- und berufsbezogenen Integrationsangeboten sowie der Kinder- und Jugendhilfe.
Das klingt ziemlich trocken …
Finden Sie? Das ist es aber nicht, oder zumindest nicht nur. Ich lerne die spannendsten Projekte kennen und treffe engagierteste Menschen! In den Audits spreche ich mit der Geschäftsführung, mit Projektleitern, Sozialarbeiterinnen und Ausbildern, also mit allen, die im Prozess der Bildungsarbeit tätig sind. Was ich da mitbekomme, ist oft beeindruckend! In diesem sozialen Bereich bin ich zuhause. Immer habe ich mit Menschen zu tun gehabt, die Unterstützung brauchen – vor allem in der Aus- und Weiterbildung.
Sie erwähnen Afrika. Dort liegt der Schwerpunkt Ihrer Stiftungsaktivitäten. Wie sind Sie mit Afrika verbunden?
Die Idee, mich in Afrika zu engagieren, ist gewachsen – in zahlreichen Gesprächen und bei der Recherche. Ich habe gefragt, wo die Not von Kindern und Jugendlichen am größten ist und wo ich am meisten bewirken kann. Menschen in Afrika können nicht auf staatliche Förderungen setzen. Regelrecht geschockt war ich davon, wieviel Waisenkinder es in Afrika gibt, häufig, weil Eltern an Aids erkrankt sind. Nebenbei hat Afrika für uns den Vorteil, dass eine Reise zu einem Projekt recht einfach möglich ist.
Sie sind in verschiedenen Verbänden aktiv. Nun auch noch eine Stiftung …
Für mich ist meine Stiftung eine Herzangelegenheit. Durch Bildung Unabhängigkeit zu schaffen, ist mein Ziel. Da ich keine Kinder habe, wollte ich früh genug regeln, wie mein Vermögen nach meinem Tod jungen Leuten zugutekommt, die es wirklich brauchen. Mein Rechtsanwalt hat mit einem Stiftungsthema promoviert. Er hat mich in das umfangreiche Thema „Stiftung“ eingeführt. Er war es auch, der mir das Haus des Stiftens empfohlen hat.
Nochmal zu Afrika: Sie haben bereits Projekte ausgewählt.
Ja, die Ute Becker Stiftung wird zunächst mit Steps for Children zusammenarbeiten – eine gemeinnützige Stiftung, die jungen Leuten in Namibia und Simbabwe die Chance auf Bildung und Ausbildung gibt und sie so befähigt, den Armutskreislauf aus eigener Kraft zu durchbrechen. Wir haben drei Projekte ausgewählt, die die Ute Becker Stiftung unterstützt: ‚Step Homes‘ kümmert sich um Waisenkinder und bringt sie in Familien unter, die langfristig unterstützt werden, finanziell und hinsichtlich sozialer Belange. ‚Projekt Schutzengel‘ fördert Kinder individuell – bis zum Schulabschluss. Und schließlich ‚Step Students‘, bei dem es um die weitere Ausbildung der Jugendlichen nach erfolgreichem Schulabschluss geht, nicht nur finanziell, sondern auch mit Rat und Tat örtlicher Sozialarbeiter.
Wie fangen Sie jetzt mit der Stiftungsarbeit an?
Derzeit reichen die Erträge aus dem Stiftungsvermögen noch nicht aus, um die Projekte so zu unterstützen, wie es uns vorschwebt. Wir werden deshalb regelmäßig selbst an unserer Stiftung spenden. Und natürlich werben wir auch für Spenden – Internetpräsenz, Networking, Presse, Weihnachtsmarkt. Ganz klar: Zu besonderen Anlässen wünsche ich mir nur Spenden oder Zustiftungen; ich hoffe, alle verstehen, dass das für mich das schönste Geschenk wäre. Mein Mann ist bei den Lions aktiv. Auch dort werden wir unsere Stiftung vorstellen. Vielleicht macht ja jemand mit.
Haben Sie ein Ziel, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Mein Traum – schon vor Stiftungsgründung – ist es, eine Schule zu bauen, und das werde ich auch machen. Mit Rechtsanwältin Julia Barth habe ich schon über diesen Plan gesprochen. Sie konnte mir Beispiele von Schulen nennen, die ebenfalls von Stiftern gebaut wurden. Ich kenne also den Kostenrahmen. Aber ich lasse mir noch ein bisschen Zeit. Ich denke, in fünf Jahren bin ich bereit und habe auch das Netzwerk dazu aufgebaut, mit dem ich das umsetzen kann.
Vielen Dank für das Gespräch!