Zwei Jahre vor ihrem 60. Geburtstag wagte Ute Becker den großen Schritt: Sie verkaufte ihr Unternehmen und gründete eine Stiftung. Heute ermöglicht sie jungen Menschen den Zugang zu Bildung und eine echte Chance auf eine bessere Zukunft.
Frau Becker, wie sieht Ihr Alltag aus, seitdem Sie Ihr Unternehmen verkauft haben?
Ganz anders als man denken könnte: Ich bin nach wie vor in der Bildungsbranche aktiv, als Beraterin und Lead-Auditorin im Qualitätsmanagement. Ich arbeite für eine Fachkundige Stelle und prüfe Bildungsdienstleister.
Das klingt ziemlich trocken…?
Genau das Gegenteil! Ich lerne die spannendsten Projekte kennen und treffe unglaublich engagierte Menschen. Bei den Audits spreche ich mit Geschäftsführern, Projektleiterinnen, Sozialarbeitern, Ausbildern – mit allen, die in der Bildungsarbeit etwas bewegen. Was ich da erlebe, ist oft wirklich beeindruckend. Dieser soziale Bereich ist meine Heimat. Schon immer habe ich mit Menschen gearbeitet, die Unterstützung brauchen.
Sie sind bereits in verschiedenen Verbänden aktiv – und jetzt auch noch eine Stiftung?
Die Stiftung ist meine absolute Herzensangelegenheit! Mein Ziel ist es, durch Bildung Unabhängigkeit zu schaffen. Da ich keine eigenen Kinder habe, wollte ich rechtzeitig regeln, dass mein Vermögen nach meinem Tod jungen Menschen zugutekommt, die es wirklich brauchen.
Wo ist Ihre Stiftung tätig?
Wir waren anfangs ausschließlich in Afrika aktiv. Denn ich hatte mich gefragt: Wo ist die Not am größten? Wo kann ich wirklich etwas bewirken? In Afrika können sich Menschen nicht auf staatliche Förderung verlassen. Besonders erschüttert hat mich die hohe Zahl an Waisenkindern. Inzwischen haben wir unser Wirkungsfeld aber weltweit ausgedehnt.
Nennen Sie uns ein Beispielprojekt?
Wir haben zum Beispiel mit Steps for Children zusammengearbeitet – einer gemeinnützigen Stiftung, die jungen Menschen in Namibia und Simbabwe hilft, den Armutskreislauf zu durchbrechen. Sie bringt Waisenkinder in Familien unter und unterstützt diese langfristig, finanziell und sozial. Sie fördert einzelne Kinder individuell bis zum Schulabschluss. Und sie begleitet Jugendliche nach der Schule in die Ausbildung – nicht nur mit Geld, sondern auch mit persönlicher Betreuung durch lokale Sozialarbeiter.
Verraten Sie uns einen Aspekt Ihrer Stiftungsarbeit?
Die Erträge aus dem Stiftungsvermögen reichen noch nicht für alles, was wir vorhaben. Deshalb spenden wir regelmäßig selbst und werben aktiv um Unterstützer – über unsere Website, Netzwerke, Presse und auf dem Weihnachtsmarkt. Mein Mann ist bei den Lions aktiv, auch dort stellen wir unsere Arbeit vor. Zu besonderen Anlässen wünsche ich mir nur noch Spenden oder Zustiftungen – das sind für mich die schönsten Geschenke!
Haben Sie ein besonderes Ziel?
Ja, und zwar ein großes: Ich möchte eine Schule bauen! Diesen Traum hatte ich schon vor der Stiftungsgründung. Inzwischen kenne ich den Kostenrahmen, aber ich lasse mir noch etwas Zeit.
Vielen Dank und viel Erfolg!
Das Gespräch führte Friederike Kundrus, Haus des Stiftens